Spannende Diskussion zur Eurokrise

04.07.2013, Schwäbisch Hall – Die Eurokrise war Thema der jüngsten Veranstaltung der SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade. Sie hatte dafür zwei ausgewiesene Experten eingeladen: den finanzpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lothar Binding und den Professor für Finanzwissenschaft Dr. Rudolf Hickel aus Bremen.

Veranstaltungsort war der Campus Schwäbisch Hall. „Das Thema passt perfekt hierher. Hier am Campus liegt schließlich ein Schwerpunkt auf der Finanzwissenschaft“, so Annette Sawade.

Etwa 60 Interessierte waren, trotz des besten Sommerwetters, gekommen um den Erläuterungen zur Eurokrise zu folgen. Das Zustandekommen der Finanzindustrie erklärte Lothar Binding anschaulich und ganz „klassisch an der Tafel“. Dabei wies er verständlich und nachvollziehbar auf die Probleme und Tücken dieser „Finanz-Industrie“ hin. Mit der Kritik konfrontiert, dass es doch die rot-grüne Bundesregierung war, die solche Produkte wie Hedgefonds in Deutschland dereguliert hat, konterte Binding schlagfertig: „Die Wahrheit ist, dass Rot-Grün damals Hedgefonds erlaubt hat um sie regulieren zu können. Und zwar mit einer so guten Regulierung, dass sie bei den Verbrauchern keine Schäden anrichten können. Und dies greift: von den weltweit 8400 sind lediglich 14 aus Deutschland.“

Professor Rudolf Hickel räumte in seinem Teil des Inputs mit vielen Wirtschafts-Mythen auf und übte dabei auch Kritik an seiner eigenen Zunft, den Wirtschaftswissenschaftlern: „Alle die die Eurokrise mit den bestehenden Modellen erklären wollen, fischen im Trüben. Denn so etwas wie den Euro gab es noch nie. Daher ist er mit allen herkömmlichen Wirtschaftsmodellen auch nicht erklärbar.“

Er griff auch die Verehrung der Wirtschafts-Liberalen für Adam Smith auf, die basierend auf seinen Thesen einen völlig deregulierten Markt anstreben. „Die haben Adam Smith nie gelesen. Denn er selbst fordert eine strenge Regulierung der Banken. Und sogar, ohne das Wort bewusst zu nennen, einen Mindestlohn.“

Aus den Reihen der Zuhörer kam auch Kritik am vergangenen Verhalten der SPD. Professor Hickel ließ diese pauschale Kritik nicht gelten: „Ich denke da nicht in der Vergangenheit. Ich schaue mir an, was die Parteien jetzt fordern. Und da ist viel Richtiges bei der SPD dabei.“

Auch für Peer Steinbrück fand Lothar Binding lobende Wort „Peer Steinbrück entscheidet. Richtig, dann ist es gut. Oder er entscheidet falsch, dann ist es auch gut – weil falsche Entscheidung korrigiert werden können.“ Das schlimmste sei: nicht zu entscheiden, weil dann andere entscheiden, z.B. die EZB oder die Kommission, manchmal andere Länder oder der Zeitdruck, manchmal sogar „der Markt“… und Deutschland dümpelt hinterher – und zahlt, ohne dass es den Menschen in den Ländern besser gehen würde.

Hier gibt es die Präsentation von Prof. Hickel zum Download:
Präsentation zur Eurokrise in Schwäbisch Hall am 1. Juli 2013

Hickel

Eppler_Binding_Sawade