Ein neues Bewusstsein für Lebensmittel

29.08.2013, Wolpertshausen – Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, war am Dienstagabend (27.8.) zu Gast bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Annette Sawade. Im Mittelpunkt stand die Frage nach guter Ernährung.

Um sich ein Bild von der Situation in Hohenlohe zu machen besuchten Annette Sawade und Bärbel Dieckmann am Nachmittag die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall in Wolpertshausen.
„Wir haben hier noch eine sehr gute Position und können in unmittelbarer Nachbarschaft erleben, wie Lebensmittel entstehen. In vielen Großstädten und Ballungszentren haben die Menschen gar keinen Kontakt mehr dazu“, so Annette Sawade, die dies als ersten Schritt hin zu einer bewussten Ernährung sieht.

Bei der abendlichen Podiumsdiskussion in Cröffelbach ging es dann auch um die globale Situation. „Immer noch sind viele Länder in Afrika und Asien vom Hunger betroffen. Prozentual ist die Anzahl der Hungernden seit 1990 zwar gesunken, aber es leiden noch immer 800 Millionen Menschen weltweit unter chronischem Hunger“, stellte Bärbel Dieckmann einleitend fest.

Mit auf dem Podium vertreten waren auch Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft und Ilse Stutz, stellvertretende Kreisvorsitzende der Landfrauen Schwäbisch Hall. Stutz leitet auch im Landfrauen-Landesverband den Arbeitskreis Entwicklungspolitik.

„Es freut mich, dass sich mit dem Trend zur Regionalisierung eine Gegenbewegung zur Globalisierung entwickelt hat. Regional ist inzwischen positiv besetzt und wird nicht mehr als rückständig gesehen wie noch vor 10 – 20 Jahren“, so Rudolf Bühler.

Ilse Stutz setzt sich für ein Schulfach Alltags- und Lebensökonomie für alle ein: „So kann man die Sensibilität für Lebensmittel wieder herstellen.“

Was könne man nun tun gegen den Welthunger? – diese Frage stellte Annette Sawade in den Raum, die die Diskussion moderierte. Schon der englische Prinz Charles stellte bei seinem jüngsten Besuch in Hohenlohe die wichtige Frage, ob Lebensmittel denn um die halbe Welt geflogen werden müssten.

„Wer regionale und saisonale Produkte kauft, kann dies ohne schlechtes Gewissen tun. Und auch wer nur ab und an Fair-Trade-Produkte kauf, hilft den Menschen in diesen Regionen sehr“, erklärte Ilse Stutz.

Rudolf Bühler unterstützt in der ganzen Welt regionale Landwirtschaft – von Hohenlohe bis Indien. Dies ist ihm geradezu ein Herzensanliegen. „In Billig-Lebensmitteln sind die externen Kosten wie etwa die fürs Lohndumping nicht mit enthalten. Ich bezahle die Bauern in aller Welt zu einem anständigen Preis. So ist Ihnen am einfachsten geholfen.“

„Trotz all dem Leid auf der Welt geben wir nicht auf. Die Welthungerhilfe unterstützt in Projekten die Hilfe zur Selbsthilfe. Auch Mikrokredite, die immer sehr diszipliniert eingesetzt und zurückbezahlt werden; helfen den Menschen vor Ort. Ich habe den größten Respekt vor diesen Menschen, und auch immer vor den Frauen. Bei meinen Besuchen vor Ort zeigen sie mir immer stolz in ihrem Büchlein, wann sie wie viel zurück zahlen konnten. Von ihnen können wir noch viel lernen“, berichtete Bärbel Dieckmann.