Unsere Leitkultur ist das Grundgesetz – seit 68 Jahren!

Die Union und namentlich Innenminister De Mazière haben tief in die Mottenkiste des konservativen Ideenrepertoires gegriffen und vor einigen Tagen mal wieder die „Leitkultur“ hervorgezaubert.

Doch Herr De Maziére geht es nicht um die Verbesserung eines gesellschaftlichen Zusammenhalts oder eine gelingende Integration für Einwanderer. Im Gegenteil will er schlicht einen Gegensatz aufzeigen („Wir“ und „Die“) und grenzt damit Menschen aus. Dabei ist das Thema, das damit angeschnitten wurden, durchaus einer Diskussion wert: Wie stärken wir die demokratische Kultur in Deutschland und wie tragen wir dazu bei, dass der hohe Wert der Demokratie wieder deutlicher zu Tage tritt (sowohl bei Alteingesessenen als auch bei Einwanderern)?

Wohlwollend könnte man die Aussagen des Innenministers so verstehen, dass er eine Richtschnur des Verhaltens und der Gepflogenheiten fordert, die gerade auch Menschen die in Not zu uns kommen eine Hilfe sein kann. Damit sie sich zurechtfinden und gut einleben können, damit sie nicht extremistischen Verführern in die Hände fallen.

Ein solcher Orientierungsrahmen ist zweifellos vonnöten.

Er heißt in Deutschland Grundgesetz. Und dieses Grundgesetz feierte gestern seinen 68. Geburtstag.

Es ist auch hilfreich für das Verstehen der deutschen Kultur etwas über die Vergangenheit unseres Landes zu wissen und die besondere historische Verantwortung der Bundesrepublik zu kennen.

Unsere Verfassung gibt die Leitlinien vor, dass jeder und jede unabhängig von ethnischer Herkunft, religiöser Zugehörigkeit, Geschlecht, Sexualität, Alter, sozialem Status die gleichen Rechte und Pflichten vor dem Gesetz hat.

Kultur ist dynamisch und entwickelt sich stets weiter, zu ihr gehören in Deutschland das Heavy-Metal-Festival Wacken und auch die Bayreuther Festspiele, manche umarmen sich bei der Begrüßung und andere nicht, manche gehen gerne an FKK-Strände und andere lieber ins Freibad. Es gehört auch zur politischen Kultur in diesem Land genau diese Vielfalt und menschliche Buntheit nebeneinander zu respektieren und zu gewährleisten.

Es mag Muslime geben, die Probleme mit der Demokratie haben, genauso wie es rechtsextreme „Biodeutsche“ gibt, deren Einstellung zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung gefährlich ist. Aber es gibt da glücklicherweise und auch in der Mehrzahl, die andere Seite: die zahlreichen erfolgreichen Integrationsbiografien.

Am besten wäre doch wenn die „alteingesessenen“ Deutschen den Neuen vorleben würden, was es heißt nach den Prinzipien des Grundgesetzes zu leben. Und das machen tagtäglich Zehntausende ehrenamtlich tätige Männer und Frauen in Deutschland, die ihren Mitmenschen auf die eine oder andere Art helfen.

 

Bild: Flickr, Tim Reckmann, CC BY-SA 2.0 DE