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MdB Annette Sawade sagt: “Mit dem Lasso einfangen”

Veröffentlicht am 29. August 2013 von Wencke Bagger

Annette Sawade (60, SPD) unterstützt Dorfläden, freut sich über die schwindend geringe Zahl an arbeitslosen Jugendlichen in ihrer Region und setzt sich für weniger Zeitarbeit ein.

Was wären Sie heute, wenn Sie nicht Politikerin geworden wären?

Ich habe bis zur Übernahme meines Mandates im Juni 2012 als Mitarbeiterin im Umweltministerium Baden-Württemberg gearbeitet. Ich war zuständig für Internetprojekte und als Vertreterin von Baden-Württemberg für die IT-technische Umsetzung der Gefahrstoffdatenbank des Bundes und der Länder. Ich bin Diplomchemikerin mit einer IT-Zusatzausbildung. Von 1994 bis 2009 war ich im Ehrenamt Stadträtin von Stuttgart.

Was möchten Sie in Ihrer politischen Laufbahn unbedingt erreichen?

Das erneute Mandat im deutschen Bundestag und genügend Einfluss, um die Interessen meines Wahlkreises sehr gut vertreten zu können. Das heißt Stärkung des ländlichen Raumes durch verbesserte Infrastruktur (Verkehr, Breitband, Gesundheit, Bildung) und der Umsetzung der sozialpolitischen Forderungen (Mindestlohn, weniger Zeitarbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie) der SPD.

Wofür haben Sie zuletzt privat eine Empfehlung ausgesprochen? Was haben Sie in letzter Zeit aufgrund einer Empfehlung von Freunden getan oder gekauft?

Ich kaufe viel regionale Produkte ein und unterstütze unsere Dorfläden. Bei Punkt zwei bin ich eher selber unterwegs und empfehle gerne weiter.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Bewerbung? Erhielten Sie eine Zu- oder Absage?

Ich habe nach meiner Zusatzausbildung viele Bewerbungen geschrieben, da waren auch viele Absagen dabei. Meine erste Zusage war ein befristeter Job bei der IT-Abteilung der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg und da bin ich dann 7 Jahre geblieben. (Ich bin 1982 aus der DDR ausgereist und habe damals als Chemikerin in der BRD keinen Job gefunden – zwei kleine Kinder, keine Betreuung und ein für Naturwissenschaftler in diesem Bereich gerade schlechter Arbeitsmarkt)

Falls Sie auf eine Bewerbung schon mal eine Absage erhielten: Wie haben Sie sich gefühlt?

Ein miserables Gefühl aber ich habe nicht aufgegeben. Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Fachkräftemangel“ hören?

Das da eine Zeitlang nicht daran gedacht wurde, dass man langfristig denken muss und nicht um des kurzen Gewinnes wegen Arbeitskräfte abbaut und auch keine kontinuierlichen Übergänge eingebaut wurden.

Welche Pläne haben Sie und Ihre Partei bzgl. der Fachkräftesicherung für Deutschland und Ihren Wahlkreis?

Da müssen wir wohl auch gute Menschen aus dem Ausland mit ausbilden und fördern, Berufsabschlüsse anerkennen, wenn sie die Qualifikation erfüllen und nicht unendliche bürokratische Hindernisse aufbauen. Wir müssen unsere jungen Menschen vor Ort fördern und versuchen sie mit guten Randbedingungen hier zu halten. Das gilt für ihre gesamte schulische Laufbahn.

Bisher bekommt die Mehrzahl der gut qualifizierten Bewerber Absagen. Das Potential guter Bewerber wird so für die Region und Branche verschwendet…

Das ist hier bei uns nicht der Fall mit einer schwinden geringen Zahl an arbeitslosen Jugendlichen. Unsere Regon ist da gut dran.

…Die YOUNECT GmbH hat mit dem Talentpool eine Lösung entwickelt, mit der Empfehlungs-Recruiting ermöglicht wird: In regionalen oder branchenspezifischen Talentpools können sich Unternehmen, datenschutzrechtlich korrekt, gegenseitig 2.- und 3.-platzierte Bewerber empfehlen, die sie selbst nicht einstellen konnten.
Der Talentpool war 2012 Preisträger und nominierter Bundessieger bei „Land der Ideen“. Er wird bereits von 41 Regionen bzw. Branchen genutzt.
Was halten Sie generell davon, gute Bewerber zu empfehlen? Denken Sie, dass Empfehlungs-Recruiting mittels regionaler Talentpools zur Fachkräftesicherung beitragen kann? Können Sie sich vorstellen, dass Unternehmen Ihres Wahlkreises sich gegenseitig gute Bewerber empfehlen?

Das kann ich mir gut vorstellen, ich denke, dass das auch schon funktioniert. Ein Problem ist bei uns eher, dass die großen Firmen die guten abschöpfen und die kleinen Betriebe und Handwerker die Jugendlichen mit dem “Lasso” einfangen müssen.

Nennen Sie uns drei Argumente, warum man Sie im September wählen sollte.

Als Sozialdemokratin setze ich mich auch vor Ort für eine gerechte Arbeitswelt ein, d.h. vor Ort für weniger Zeit- und Leiharbeit, gute Ausbildung und gut bezahlte Arbeit (kann ich den Firmen natürlich nur immer wieder empfehlen). Als Naturwissenschaftlerin gelingt es mir besser, mich kompetent in die technische Arbeitswelt einzufühlen und habe dadurch ein gutes Verständnis für die Probleme und Anfragen der Unternehmen.

Ich kämpfe für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, damit unsere gut ausgebildeten Frauen, die wir dringend benötigen, auch arbeiten können und die Familien ihre Kinder gut betreut wissen.
Mein Motto: kompetent.verlässlich.sozial

Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Sawade.