Christlicher Verein Junger Menschen

1. Haben Sie persönliche Erfahrungen in der Jugendverbandsarbeit (des CVJM) gesammelt?

 
Ja. Als Mitglied des Jugendhilfeausschusses des Gemeinderates der Stadt Stuttgart hatte ich auch mit dem dortigen CVJM zu tun. Ich fand und finde die Arbeit des Verbandes immer sehr bedeutend, die Gespräche konstruktiv und wichtig auch für die politische Meinungsbildung der Jugendlichen.

2. Welchen Stellenwert räumen Sie der außerschulischen Bildung ein und was wollen Sie tun um Freiräume dafür zu erhalten oder zu schaffen?

 
Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist klar: Bildung ist mehr als Schule. Deshalb müssen wir die Jugendarbeit weiter stärken und bedarfsgerecht ausstatten. Zentrale Förderinstrumente sind Kinder- und Jugendpläne von Bund und Ländern.

Übrigens: In dieser Legislaturperiode hat die SPD-Bundestagsfraktion während der Haushaltsverhandlungen wiederholt Anträge zur besseren Ausstattung des Kinder- und Jugendplans eingebracht. Diese Anträge waren stets solide gegenfinanziert. Entsprechende Initiativen wollen wir auch in der 18. Legislaturperiode ergreifen.

3. Was wollen Sie tun, damit der Bedarf an Einsatzstellen bei den Jugendfreiwilligendiensten in Zukunft gedeckt wird?

 
Die SPD hat sich in der Vergangenheit stets für einen Ausbau der Jugendfreiwilligendienste eingesetzt. Mittelfristig wollen wir allen Jugendlichen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren wollen, einen Platz anbieten. Wir wollen Transparenz und Rechtssicherheit für Jugendfreiwilligendienste durch ein Freiwilligendienststatusgesetz schaffen und mehr Anerkennung für Freiwilligendienstleistende erreichen.

4. Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach die europäische und internationale Dimension in der Jugendarbeit?

 
Die bilateralen Jugendwerke und Jugendaustauschorganisationen leisten gute und wichtige Arbeit. Der Jugendaustausch muss allen Jugendlichen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, zugänglich gemacht werden. Deshalb setzen wir uns dafür ein, einschränkende Visabeschränkungen aufzuheben und Jugendliche mit Migrationshintergrund und bildungsferne Jugendliche besonders anzusprechen.
Die SPD will die jugendpolitische Zusammenarbeit in der Europäischen Union stärken. Besonders wichtig ist, dass junge Menschen ihre Wünsche und Vorstellungen bei der Gestaltung Europas einbringen können. Sie müssen Europa erleben, erfahren und hinterfragen können, und zwar unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.

Damit Jugendliche sich international engagieren und austauschen können, wollen wir die internationale Jugendarbeit stärken. Sie muss ein Bestandteil des SGB VIII bleiben und darf nicht allein Agenturen überlassen werden. Jugendverbände sind dabei ein wichtiger Träger. Wir setzen uns auch dafür ein, dass bei der Weiterentwicklung der europäischen Programme die Trägervielfalt erhalten bleibt und die Beteiligung von Jugendlichen und der Kinder-und Jugendhilfe gestärkt werden.

5. Was wollen Sie tun, um das zivilgesellschaftliche Engagement von jungen Menschen zu fördern?

 
Wir wollen die Rahmenbedingungen für das Engagement junger Menschen gezielt verbessern. Deshalb werden wir gesellschaftspolitisches Engagement in Vereinen und Verbänden bei der Bemessung der Förderzeiten im Rahmen des BAföG dem hochschulpolitischen Engagement gleichstellen. Zudem werden wir prüfen, wie wir Auszubildenden mehr Zeitautonomie für gesellschaftspolitisches Engagement geben können.

Auch die Förderung der Freiwilligendienste ist ein wichtiger Baustein unseres engagementpolitischen Konzepts. Bei dem neu eingeführten Bundesfreiwilligendienst sehen wir erheblichen Nachbesserungsbedarf. Wir setzen auf den konsequenten Ausbau der bewährten Jugendfreiwilligendienste.

6. Was wollen Sie gegen die wachsende Kinder- und Jugendarmut in Deutschland tun?

 
Unser Ziel ist, dass alle Kinder in materieller Sicherheit aufwachsen, gleiche und von der Herkunft unabhängige Bildungschancen erhalten und sich gut entwickeln können. Dafür müssen allerdings Ganztagskitas und -schulen ausgebaut und gute Arbeit für die Eltern gesichert werden. Darüber hinaus wollen wir ein neues, einkommensabhängiges Kindergeld einführen.

7. Was wollen Sie für die Generationengerechtigkeit zu tun?

 
Wir wollen Verantwortung für zukünftige Generationen übernehmen, Solidarität zwischen den Generationen fördern und eine nachhaltige Politik für das Miteinander der Generationen organisieren.

Durch eine Senkung der Materialintensität, die Minimierung von Abfall und durch Kreislaufsysteme wollen wir eine Entkoppelung von Wohlstand und quantitativem Wachstum erreichen. Unser Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung. Ein wichtiger Beitrag dazu ist eine ökologische Industriepolitik mit innovativen Produkten und Dienstleistungen. Unser Verständnis von Fortschritt im 21. Jahrhundert beinhaltet qualitatives Wachstum und Verbesserung der Lebensqualität, Erweiterung von Lebensmöglichkeiten und individueller Freiheit und einen verantwortungsbewussten Umgang mit den begrenzten natürlichen Ressourcen unseres Planeten.

Wir wollen mehr Zusammenhalt in unserer Gesellschaft: Junge und Ältere, Frauen und Männer, Deutsche und Nicht-Deutsche, Gesunde und Kranke, Menschen mit und ohne Behinderung. Wir alle gehören zusammen. Die individuelle Freiheit jedes Einzelnen wollen wir mit der Verantwortung und Solidarität aller Menschen füreinander verbinden.

Nachhaltigkeit muss das verbindende Element sämtlicher politischer Aktivitäten werden. Wir wollen eine Politik, die alle Politikfelder berücksichtigt und Zuständigkeitsgrenzen überwindet. Eine solche nachhaltige Politik ergibt sich auch bei bester Einsicht nicht von selbst. Sie muss organisiert werden und braucht verbindliche Verankerung in Gesetzgebung und Regierung auf allen Ebenen. Dafür machen wir uns stark. Wir alle werden die existenziellen Herausforderungen im 21. Jahrhundert nur gemeinsam lösen können. Deshalb setzen wir uns dafür ein, eine kooperative Ordnung mit zu organisieren, die gemeinsame Problemlösungen möglich macht. Gemeinsam mit den Gruppen der Zivilgesellschaft, sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und Kirchen wollen wir Zukunft gestalten.

8. Welche Bedeutung hat für Sie die Religionsfreiheit in Deutschland und in der Welt und was wollen Sie tun um sie zu erhalten, zu stärken bzw. (wieder) herzustellen?

 
Als Mitglied im interreligiösen Gesprächskreis meiner Fraktion lebe ich den Austausch aktiv. Ich respektiere den Glauben anderer und erwarte auch, das ich in meiner Religiosität respektiert werde.

Die Religionsfreiheit ist für die SPD ein hohes Gut, sie setzt sich auf allen Ebenen dafür ein, dass weltweit Menschen ihren Glauben leben können. Religions- und Glaubensfreiheit ist ein Menschenrecht und muss daher in allen Staaten geachtet werden. Die SPD ist besorgt, dass Christen die am häufigsten verfolgte und bedrängte religiöse Gruppe sind, sie setzt sich in ihren internationalen Kontakten für die Religionsfreiheit und für die Rechte von Religionsgemeinschaften ein.

In unserem Regierungsprogramm 2013 haben wir dazu festgehalten: „Wir achten und schätzen die Religionsfreiheit und die religiöse und weltanschauliche Vielfalt in Deutschland. Eine offene Gesellschaft bietet im Rahmen der Grundrechte allen Religionen den Freiraum zur Entfaltung ihres Glaubens.“