Praktikumsbericht: Das politische Berlin – ganz nahe

kim_annetteBerlin gehört zu den geschichtsträchtigsten Städten Deutschlands. Aufgrund der Vielzahl an Praktikumsmöglichkeiten bei Nachrichtenagenturen, Stiftungen, Interessenverbänden, Ministerien oder bei Abgeordneten des Deutschen Bundestages, zieht es viele Studentinnen und Studenten in das politische Zentrum Deutschlands. Ich habe mich für ein Praktikum bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Annette Sawade entschieden. Durch mein Politikwissenschaftsstudium und meinen bisherigen Praktika bei dem Landtagsabgeordneten „Nik“ Sakellariou und der Europaabgeordneten Evelyne Gebhardt im Europäischen Parlament in Brüssel, wollte ich nun einen Einblick in den internen Aufbau und die Arbeitsweisen des Bundestages und damit in die Politik auf Bundesebene erhalten.

Aufgrund meines Studiums beschränkte sich mein Praktikum leider nur auf knapp vier Wochen. An dieser Stelle kann ich jedem empfehlen – je nach Möglichkeit – ein längeres Praktikum anzustreben, da der Einblick, den man in einer nur kurzen Zeit erhält, doch ein relativ oberflächlicher ist. Umso dankbarer bin ich, in solch ein tolles Büroteam (wie das von Annette Sawade) gekommen zu sein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin haben mir für meinen Praktikumszeitraum einen Arbeitsplan zusammengestellt, der es mir ermöglich hat, in der kurzen Zeit so viel Erfahrungen in verschiedenen Bereichen zu sammeln wie nur möglich. Zudem lag mein Praktikum in einer politisch spannenden Phase, da zum einen die intensive Planungsphase für den Wahlkampf begonnen hatte und zum anderen zwei Sitzungswochen hintereinander stattfanden. Durch Bürobesprechungen, an denen ich teilgenommen habe, und durch den direkten Kontakt zu der Bundestagsabgeordneten und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe ich die Möglichkeit bekommen, mehr über die organisatorischen Hintergründe eines Wahlkampfes zu lernen. Dazu gehört das Festlegen eines Wahlkampfslogans, die Ausarbeitung von Schwerpunkthemen im Wahlkampf, die Aufbereitung von Hintergrundinformationen und von Wahlkampfstrategien sowie die Planung und Organisation von Wahlkampfveranstaltungen. Ferner erhielt ich im Rahmen des Wahlkampfes die Aufgabe der Unternehmensrecherche im Wahlkreis. Außerdem durfte ich Ideen über einen möglichen Wahlkampfclip einbringen. Die beiden Aufgaben räumten mir die Freiheit des eigenständigen Arbeitens ein, was ich sehr zu schätzen wusste.

Die Tatsache, dass gleich zwei Sitzungswochen in meinen Praktikumszeitraum gefallen sind, haben mir ermöglicht, sowohl die politische Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch die von Annette Sawade als Abgeordnete hautnah mitzuerleben. Die Stimmung im Bundestag während den Sitzungswochen ist eine vollkommen andere als in den sitzungsfreien Wochen. Es herrscht mehr Leben im Bundestag und vieles wirkt hektischer. Unzählige Versammlungen von Ausschüssen, Arbeitsgruppen (AG), Fraktionen und natürlich die Plenarsitzungen finden in den Sitzungswochen in Berlin statt. Für mich persönlich gehörte diese Zeit mit zu den spannendsten meines Praktikums, da ich in das politische Geschehen voll eingebunden wurde. So durfte ich an den Treffen der AG Finanzen, der Annette Sawade angehört, teilnehmen. In den Sitzungen lag das thematische Augenmerk vor allem auf der inhaltlichen Ausrichtung des ‚Regierungsprogramms’ der SPD für die Bundestagswahl 2013. Diskutiert wurde unter anderem über den Aufbau einer gerechten Steuerpolitik und die Reformierung des Ehegattensplittings. Es war sehr spannend zu sehen, inwieweit einzelne AGs bei der Gestaltung des Wahlprogramms mitwirken und welche Instrumente sie nutzen, um Änderungsvorschläge zum Wahlprogramm einzubringen. Des Weiteren bekam ich die Möglichkeit, einer Konferenz des Finanzausschusse und natürlich einer Plenar- und Fraktionssitzung beizuwohnen. Da sich oftmals die verschiedenen Veranstaltungen überschneiden, konnte Annette Sawade an einer parlamentarischen Sitzung, bei der die Energiepolitik in Deutschland erörtert wurde, und an einer Konferenz zu den sozialdemokratischen Perspektiven für den ländlichen Raum nicht teilnehmen. Um aber dennoch auf dem Laufenden zu bleiben, erhielt ich von ihr die Aufgabe, beide Veranstaltungen zu besuchen und zu protokollieren. Darüber hinaus durfte ich meine Bundestagsabgeordnete zu einer Demonstration am Brandenburger Tor begleiten, deren Ziel es war, die seit langem fällige gleiche Bezahlung von Männern und Frauen zu fordern. Ich besuchte mit Annette Sawade auch Abendveranstaltungen, im Rahmen derer sich zum Beispiel mit der Ausweitung des Wahlrechts auf alle Menschen mit Behinderungen auseinandergesetzt wurde. Meine Aufgabe auf diesen Veranstaltungen bestand unter anderem darin, Bilder für mögliche Pressemitteilungen zu machen.

Kim Wagner (rechts neben Annette Sawade) begleitet ihre SPD-Bundestagsabgeordnete zu der Demonstration zum Equal Pay Day 2013

Kim Wagner (rechts neben Annette Sawade) begleitet ihre SPD-Bundestagsabgeordnete zu der Demonstration zum Equal Pay Day 2013

Neben der täglichen Büroarbeit und den vielen politischen Sitzungen und Veranstaltungen wurde auch seitens der SPD-Fraktion ein umfangreiches Praktikantenprogramm angeboten. Anhand dieses Programms hätte ich fast meine komplette Zeit gestalten können. Im Vorfeld meines Praktikums hatte mir das Berliner Büro das Programm zukommen lassen und ich konnte – abhängig von meinen Interessen – die verschiedenen Programmpunkte ankreuzen. Mittels dieses Formulars meldete mich das Büro für die Veranstaltungen an. Unter anderem habe ich an Fachgesprächen mit Politikerinnen und Politikern zu den Themen Außenpolitik, Städteentwicklung, Gesundheits- und Pflegepolitik sowie Führungen im Reichstag, im Bundeskanzleramt und im ARD-Hauptstadtstudio teilgenommen. Des Weiteren konnte ich mich bei einer Veranstaltung im Willy-Brandt-Haus über den Jugendwahlkampf 2013 informieren und im Bundesministerium des Innern einen interessanten Vortrag mit anschließender Diskussion über die vielseitigen Aufgabenfelder dieses Ministeriums verfolgen. Zusätzlich wurden aber noch viele weitere Veranstaltungen angeboten – wie zum Beispiel das Besuchen von diversen Botschaften und Moscheen. Letztendlich dient das Praktikantenprogramm nicht nur dazu, sich neues Wissen anzueignen und neben dem Bundestag weitere interessante Institutionen zu besichtigen. Es bietet auch die Möglichkeit, die vielen anderen Praktikanten kennen zu lernen. Diese Kontakte können, je nach Wunsch, durch gemeinsame Praktikantenmittagsessen jeden Donnerstag oder durch abendliche Praktikantentreffen intensiviert werden.

Rückblickend lässt sich zusammenfassen, dass mein Praktikum im Deutschen Bundestag durch die drei Komponenten Bürotätigkeit, politische Sitzungen und Veranstaltungen und das Praktikantenprogramm sehr abwechslungsreich und vielseitig war. Da mich das gesamte Büro an ihrem Arbeitsalltag teilhaben lassen hat, habe ich viel über den Tätigkeitsbereich der Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelernt sowie eigene Berufserfahrungen sammeln dürfen. Die Teilnahme an politischen Sitzungen/ Veranstaltungen haben mir die Abläufe in einem so großen und entscheidenden politischen Apparat näher gebracht. Das Praktikantenprogramm hat mir einen Einblick in das politische Geschehen außerhalb der Tagespolitik und des Bundestages ermöglicht und mich um unzählige neue Erkenntnisse bereichert.

Ich kann jedem, der sich für Politik interessiert und sich gegebenenfalls auch seine berufliche Zukunft im politischen Kontext vorstellen könnte, ein Praktikum im Deutschen Bundestag empfehlen. Ich habe selten so viel in so einer kurzen Zeit gelernt und an Eindrücken mitgenommen.

Kim Wagner, März 2013