Wählen gehen! Aber wie geht das eigentlich genau?

Am 24. September ist es wieder soweit: alle Deutschen ab 18 Jahren sind dazu aufgefordert, ihre Stimme abzugeben, um die Mitglieder des nunmehr 19. Bundestags zu wählen. Gründe, zur Wahl zu gehen, gibt es viele. So wurde das demokratische Grundrecht, seine Volksvertretung selbst zu wählen über Jahrhunderte hart erkämpft. In vielen Ländern ist dieses Recht noch immer nicht gegeben, weswegen ich es als Plicht sehe, dieses Privileg zu nutzen. Zudem wird das gewählte Parlament umso repräsentativer, je mehr Menschen sich an der Wahl beteiligen. Über die Stimmabgabe kann jeder von uns aktiv mitbestimmen. Denn häufig reichen nur wenige hundert Stimmen aus, um eine Entscheidung zugunsten des einen oder des anderen Kandidaten herbeizuführen. Es lohnt sich also, seine Stimme abzugeben! Doch wie funktioniert die Bundestagswahl eigentlich genau? Die wichtigsten Fragen hierzu kompakt zusammengefasst.

Wer wird gewählt?

Angela Merkel und Martin Schulz bewerben sich auf das Amt des Bundeskanzlers. Doch wer von beiden letztlich die Geschicke Deutschlands künftig lenken wird, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger nicht direkt. Denn anders als etwa in den USA, wird in Deutschland der Regierungschef nicht in einem eigenen öffentlichen Wahlgang, sondern vom Parlament, also vom Bundestag, gewählt. Der Bundestag wiederum konstituiert sich alle vier Jahre aus dem Ergebnis der nun anstehenden Wahlen. Mit ihrem Votum bestimmen alle erwachsenen Deutschen, unabhängig davon, ob sie im In- oder Ausland leben, die Mitglieder des Bundestags, welche ihrerseits später in einem gesonderten Verfahren den Kanzler wählen.

Wie nehme ich an der Wahl teil?

Am Sonntag, den 24. September, können alle Wahlberechtigten, die bei einer Meldebehörde gemeldet sind oder im Falle eines Auslandsaufenthalts einen Antrag auf Eintragung ins Wählerverzeichnis gestellt haben, bis 18 Uhr ihre beiden Stimmen im örtlichen Wahllokal abgeben. In der Regel öffnen diese Wahllokale um 8 Uhr. Wer an diesem Tag verhindert ist, kann vorab per Briefwahl (nähere Informationen hierzu gibt es hier) von seinem Wahlrecht Gebrauch machen, um nicht vom demokratischen Prozess ausgeschlossen zu werden. Direkt nachdem die Wahllokale geschlossen werden, beginnt die Auszählung der Stimmen, so dass am späteren Abend bereits das vorläufige Endergebnis verkündet werden kann. Rund zwei Wochen nach der Wahl wird dann schließlich das endgültige amtliche Ergebnis bekannt gegeben.

Erststimme und Zweitstimme – was ist der Unterschied?

Wie erwähnt hat jeder Wahlberechtigte zwei Stimmen zu vergeben. Mit der Erststimme auf der linken  Seite des Wahlzettels wählt man eine der auf der Liste aufgestellten Personen, die im Falle einer Mehrheit als Direktkandidat in den Bundestag einzieht. 299 Mitglieder des Bundestags werden in 299 Wahlkreisen über diese Methode bestimmt. Wer die meisten Stimmen in einem Wahlkreis erhält, wird auf jeden Fall Abgeordneter im neuen Bundestag. Die Kandidaten können auch unabhängig sein, sind in der Regel aber einer Partei zugeordnet.

Die Zweitstimme auf der rechten Seite des Wahlzettels, die häufig die wichtigere der beiden Stimmen ist, wird wiederum für eine Partei abgegeben. Jede für die Wahl zugelassene Partei stellt dafür eine Liste mit möglichen und ihnen zugehörigen Kandidaten auf, welche ihrer Meinung nach in das Parlament einziehen sollen. Diese Listen werden von den Landesparteien der einzelnen Bundesländer erstellt. Die konkrete Zahl der Mandate, die von einem Bundesland gestellt werden, ist dabei abhängig von dessen Größe. So stellt Baden-Württemberg aktuell 78 Abgeordnete. Erreicht eine Partei bundesweit mindestens 5% der abgegebenen Zweitstimmen, so ist sie als Fraktion Teil des künftigen Bundestages. Diese Hürde bezeichnet man als Fünfprozentklausel. Anders als bei der Erststimme, zählt bei der Zweitstimme jede abgegebene Stimme.

Während etwa die Erststimmen für den jeweils zweitplatzierten Kandidaten verfallen, da nur der Gewinner Abgeordneter wird, werden die Zweitstimmen prozentual verrechnet. Auf diese Weise werden mindestens 299 weitere Bundestagsmandate vergeben. Das Wahlsystem der Bundesrepublik Deutschland ist demnach eine Mischung aus Mehrheitswahlrecht und Verhältniswahlrecht. Man spricht von einer personalisierten Verhältniswahl.

Wie der entsprechende Wahlzettel dann konkret aussieht und wo die beiden Kreuzchen gesetzt werden können, sehen sie hier:

Was ist ein Überhangmandat?

Eine Besonderheit des personalisierten Wahlrechts, die bei Wählerinnen und Wählern immer wieder für Verwirrung sorgt, sind die sogenannten Überhangmandate. Wenn eine Partei nämlich über die gewonnen Erststimmen mehr Kandidaten in den Bundestag entsenden kann, als ihr nach der Auszählung der Zweitstimmen in einem Bundesland zustehen, wird der Bundestag über diese zusätzlichen Mandate vergrößert. Damit am Ende das Verhältnis der Zweitstimmen der Parteien gewahrt bleibt, werden außerdem seit der Wahl 2013 zusätzlich Ausgleichsmandate vergeben.

Was geschieht nach der Wahl?

Nachdem die ersten Hochrechnungen und später das vorläufige Ergebnis am Wahlabend verkündet werden, beginnen die Vertreter der Parteien umgehend mit Sondierungsgesprächen, um eine künftige Regierung zu bilden. Mögliche erste klare und öffentliche Positionierungen werden wohl bereits in der traditionell an diesem Abend stattfindenden Elefantenrunde in ARD und ZDF ausgegeben. Zu dieser Runde treffen sich die Vorsitzenden der größeren, also der im Bundestag vertretenen Parteien und kommentieren den Ausgang der Wahl. Die folgenden Tage und Wochen sind im politischen Berlin durch Koalitionsverhandlungen geprägt, um mögliche Regierungsbündnisse auszuloten. Spätestens 30 Tage nach der Wahl findet die konstituierende Sitzung des Bundestages statt, in welcher der Bundestagspräsident gewählt und die Geschäftsführung beschlossen wird. Schließlich wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten voraussichtlich der Spitzenkandidat der der gebildeten Koalition vorstehenden größten Fraktion zum neuen Bundeskanzler und Regierungschef gewählt. Dieser Kandidat benötigt dazu mindestens die Hälfte der Stimmen der Mitglieder des Bundestags.